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Die einen leiden durch die Corona-Krise, die anderen profitieren sogar davon

Vernetzung als Ausweg aus der Krise

Die einen leiden durch die Corona-Krise, die anderen profitieren sogar davon. Die einen klagen entsprechend lauter, während die anderen lieber gar nichts sagen. Das führt zu einem Zerrbild – was es umso wichtiger macht, einen Querschnitt abzubilden. Das können zum Beispiel Verbände wie die Wirtschaftsvereinigung Steinfurt (WSV), die eine Vielzahl an Unternehmen vertreten. Und um es vorwegzunehmen: Die Firmen im Kreis sind weitaus stärker aufgestellt als man es vermuten mag.

„Unsere mittelständisch geprägte Region ist nicht ins Jammertal verfallen. Familienunternehmer wissen, dass es mal stärkere und mal schwächere Jahre gibt – und sind häufiger bereit, auch mal wieder Eigenkapital einzubringen“, sagt WSV-Geschäftsführer Heiner Hoffschroer, den das Ausmaß nun selbst etwas überraschte.

Sein Verband vertritt rund 270 Mitglieder, darunter sowohl den FMO, Reisebüros oder Gastronomie-Betriebe – aber auch IT-Systemtechniker. Dass das Münsterland kein besonderes Cluster ist, sei jetzt in der Corona-Krise ein Vorteil. „Anders als zum Beispiel Wolfsburg, wo eine ganze Region am Autobau hängt, ist es bei uns ein absoluter Mix. Wir haben Gewinner, Verlierer, aber auch viele Unternehmen, die keine großartigen Effekte spüren. Ich würde sagen, das Münsterland kommt aktuell mit zwei blauen Augen davon.“

Doch verändert habe die Situation bei allen etwas. Das merkte auch Hoffschroer, der zu Beginn der Krise vor allem Informationsbeschaffer war. „Ganz am Anfang haben wir gedacht, dass es vor allem um Lieferketten ging – also haben wir sogar noch im März eine Präsenzveranstaltung zum Thema Vertragsrecht gemacht. Dann haben sich die Ereignisse überschlagen und andere Themen haben sich nach vorne gedrängt. Wir haben allein von April bis Ende Mai 15 digitale Veranstaltungen zum Thema Kurzarbeitergeld durchgeführt.“

Das digitale Format habe sich bewährt, wenngleich Hoffschroer irgendwann eine Reizüberflutung Richtung Sommer feststellte. Mittlerweile habe sich die Menge an Veranstaltungen und Infomails auf ein gesundes Maß abgesenkt. Und auch die Themen haben sich verändert – beim WSV wird inzwischen wieder über die Zukunft gesprochen. Viele Themen habe Corona nur verschoben, etwa den Fachkräftebedarf, die eigene Unternehmensnachfolge oder die Demographie. Doch vor allem für die Digitalisierung war die Pandemie ein Beschleuniger.

Auch deshalb glaubt Hoffschroer nicht, dass Unternehmen in Zukunft weniger investieren. „Ein Hotelier wird gerade sicher keinen neuen Saal bauen. Aber die Unternehmen, die fest an ihr Geschäftsmodell glauben, die machen ganz normal weiter.“ Er halte es daher für grob fahrlässig, die Firmen durch behördliche Vorgaben auszubremsen.

Die Verwaltungen seien durch Corona mit den Anträgen überlastet, weshalb der WSV-Geschäftsführer einen Ausnahmetatbestand empfiehlt. Beispiel: Ein Unternehmen will eine neue Halle bauen, sendet die Unterlagen vollständig ein und muss dann aber aufgrund von neuen Vorgaben, behördlichen Engpässen oder Urlauben teils monatelang warten. „Lasst die Unternehmen doch bauen. Sollte es dann Abweichungen geben, müssen die Firmen diese dann auf eigene Kosten beseitigen“, fordert Hoffschroer ein gewisses Urvertrauen. „Oder musste Karl Düsterberg damals im Wirtschaftswunder einen Businessplan für die nächsten 20 Jahre vorlegen? Alles was Aufschwung bringt, sollte willkommen sein.“ So könnten auch die negativen Auswirkungen von Corona ausgebremst werden.


Kontakt

Wirtschaftsvereinigung Steinfurt e.V.
Kettelerufer 22
48431 Rheine
Tel.: 05971 / 66 07 0
Mail: info@wvs-steinfurt.de
www.wvs-steinfurt.de